Qualzucht in der Werbung? Als Startup, das Bio-Katzenfutters und Bio-Hundefutters herstellt und auf Werbeanzeigen nicht verzichten kann, sind wir natürlich immer wieder mit diesem Thema konfrontiert. Als Teil unserer Mission für den Tierschutz und unserer Verantwortung als Unternehmen müssen wir uns dem Thema Qualzuchten in der Werbung widmen. Bei STRAYZ entscheiden wir uns bewusst dagegen mit Qualzuchtrassen, wie bspw. Scottish Fold Katzen oder dem Mops zu werben und markieren diese konsequent mit dem Zusatz "Qualzucht" in unserer Kommunikation.
Der Begriff Qualzucht ist dir neu und du möchtest mehr erfahren, was es mit damit überhaupt auf sich hat? Unsere detaillierten Artikel zu "Qualzucht bei Katzen" oder "Qualzucht bei Hunden" enthalten alle wichtigen Informationen zum Thema.
Aber wie verhält es sich nun mit Qualzuchten in der Werbung? Viele Marken werben immer noch mit Qualzuchtrassen, ohne Kontext und ohne Hinweis. Welche Folgen kann das für die Tiere haben und wie kann sich das auf die Nachfrage dieser Züchtungen auswirken? Wir haben mit Tierschützerin und Aktivistin Denise vom Kitten Safe House e.V. zum Thema gesprochen.
Warum ist Werbung mit Qualzuchttieren aus deiner Sicht problematisch?
"Weil wir dadurch immer und immer wieder mit extremen Zuchtmerkmalen konfrontiert werden, ohne einen einzigen Hinweis darauf, wie krank diese Tiere tatsächlich sind und wie sehr sie unter diesen Merkmalen leiden.
Stattdessen werden genau die Merkmale, die für die Tiere gesundheitliche Einschränkungen bedeuten, als niedlich, besonders oder sogar erstrebenswert dargestellt. Dadurch entsteht ein völlig falsches Bild.
Die Realität hinter diesen Züchtungen, Atemnot, tränende Augen, Schmerzen und viele weitere gesundheitliche Probleme, bleibt unsichtbar. Aus meiner Sicht darf Tierleid nicht als Werbemittel genutzt werden.
Welche Auswirkungen hat es, wenn Unternehmen oder Marken Qualzuchtkatzen und Qualzuchthunde in ihrer Werbung oder auf Produktverpackungen zeigen?
Die Auswirkungen sind enorm. Werbung prägt unser Schönheits- und Normalitätsempfinden. Wenn Tiere mit Qualzuchtmerkmalen immer wieder als niedlich, süß oder besonders dargestellt werden, beginnen viele Menschen genau diese Merkmale als normal oder sogar wünschenswert wahrzunehmen.
Werbung mit Qualzuchttieren normalisiert und idealisiert ein Aussehen, das für die betroffenen Tiere häufig mit Schmerzen, Atemnot, Augenproblemen oder anderen extremen gesundheitlichen Einschränkungen verbunden ist. Gleichzeitig bleibt das Leid hinter diesen Merkmalen für die meisten Menschen unsichtbar.
Dadurch steigt die Nachfrage nach solchen Tieren. Und solange Nachfrage besteht, werden auch weiterhin Tiere mit Qualzuchtmerkmalen produziert, nur weil ihr Aussehen dem Schönheitsideal von Menschen entspricht. Aus meiner Sicht trägt Werbung deshalb unmittelbar dazu bei, dass das Leid dieser Tiere unsichtbar gemacht und ihre Produktion weiter gefördert wird.
Warum kann Werbung mit Qualzuchten dazu beitragen, dass gesundheitliche Einschränkungen als normal oder sogar wünschenswert wahrgenommen werden?
Die gefährlichste Folge ist, dass wir uns an diese Anblicke gewöhnen und sie dadurch irgendwann nicht mehr als Problem wahrnehmen, sondern als normal.
Wenn wir immer wieder Tiere mit Qualzuchtmerkmalen in Werbekampagnen, auf Verpackungen oder in sozialen Medien sehen, oft fröhlich und „perfekt“ inszeniert, verschiebt sich unser Blick Schritt für Schritt.
Merkmale, die eigentlich Ausdruck von extremen gesundheitlichen Einschränkungen sind, werden dadurch nicht mehr hinterfragt. Atemgeräusche wirken plötzlich niedlich, extrem flache Gesichter erscheinen als rassetypisch und süß, und hervorstehende Augen werden als normal wahrgenommen.
Diese extremen Merkmale, die den Tieren massive Probleme bereiten, werden dadurch gesellschaftsfähig und verlieren ihren Charakter als Warnsignal. Sie werden nicht mehr als das erkannt, was sie in Wirklichkeit sind: Tierleid.
Welche Verantwortung tragen Unternehmen, wenn sie Tiere in ihrer Werbung einsetzen?
Unternehmen tragen aus meiner Sicht eine sehr große Verantwortung, wenn sie Tiere in ihrer Werbung einsetzen. Sie beeinflussen damit, wie Tiere in der Gesellschaft wahrgenommen werden, als Produkt, als niedliches Accessoire oder eben als das, was sie sind: Lebewesen mit ganz eigenen Bedürfnissen.
Gerade bei Tieren mit Qualzuchtmerkmalen ist diese Verantwortung besonders hoch. Wenn solche Tiere in Werbekampagnen eingesetzt werden, werden ihre äußerlichen Merkmale oft isoliert dargestellt und positiv aufgeladen, ohne dass die gesundheitlichen Folgen sichtbar sind. Dadurch entsteht ein verzerrtes Bild, das Leid unsichtbar macht und bestimmte Zuchtformen indirekt normalisiert.
Unternehmen haben deshalb die Pflicht, sich bewusst zu machen, welche Wirkung ihre Darstellungen haben. Werbung ist nie neutral, sie prägt Wahrnehmung, setzt Maßstäbe und kann dazu beitragen, ob Tierleid erkannt oder verdrängt wird. Deshalb sollte Tierdarstellung immer mit Verantwortung und Transparenz verbunden sein.
Wie können Unternehmen Qualzuchtkatzen oder Qualzuchthunde verantwortungsvoll zeigen, ohne Qualzucht zu verharmlosen oder zu normalisieren?
Unternehmen können Qualzuchtkatzen und Qualzuchthunde nur dann verantwortungsvoll zeigen, wenn sie vollständig über die gesundheitlichen Folgen dieser Zuchtmerkmale aufklären und jede romantisierende oder idealisierende Darstellung konsequent vermeiden.
Wenn solche Tiere überhaupt gezeigt werden, dann nicht als „niedliches Motiv“, sondern immer im Kontext der Realität: dass diese Merkmale mit erheblichen, teils lebenslangen gesundheitlichen Einschränkungen verbunden sind. Alles andere verharmlost Tierleid.
Problematisch ist jede Darstellung, die diese Tiere als süß, besonders oder erstrebenswert inszeniert, ohne die Konsequenzen sichtbar zu machen. Verantwortung bedeutet hier vor allem: Aufklärung statt Ästhetisierung von Leid.
Welche Botschaft möchtest du Marken und Unternehmen mitgeben, die Tierprodukte verkaufen?
Das Wichtigste ist aus meiner Sicht: Tierdarstellung darf niemals von der Realität der Tiere entkoppelt werden. Wer Tiere in der Werbung oder auf Produkten einsetzt, trägt eine Mitverantwortung dafür, wie diese Tiere gezüchtet, gehalten und wahrgenommen werden. Besonders bei extremen Zuchtformen bedeutet das, ehrlich über die gesundheitlichen Folgen zu informieren, auch dann, wenn das unbequem ist oder nicht zum gewünschten Marketingbild passt.
Unternehmen sollten sich bewusst machen, dass sie mit jeder Darstellung dazu beitragen, welches Bild von Tieren gesellschaftlich entsteht. Wenn nur das „niedliche“ oder „perfekte“ Tier gezeigt wird, ohne die Konsequenzen dieser Zucht sichtbar zu machen, wird Leid unsichtbar gemacht und normalisiert.
Meine Botschaft ist deshalb klar: Wenn Tiere gezeigt werden, dann vollständig und ehrlich, nicht idealisiert, nicht verharmlost und nicht auf Kosten ihres tatsächlichen Lebens. Das gilt besonders für Tiere mit Qualzuchtmerkmalen, bei denen man auf eine Abbildung am besten ganz verzichten sollte."
Vielen Dank an Denise für ihre wichtige Einordnung und Hintergrundwissen!
Wenn du noch mehr zu dem Thema Qualzucht bei Katzen und Denise's Aufklärungsarbeit erfahren möchtest dann besuche unbedingt
ihren
Instagram-Account.
Denise ist eine engagierte Katzenretterin, deren Alltag zum Großteil aus Tierschutz besteht. Sie ist Teil des Kitten Safe House e.V., Pflegestelle, betreut in ihrer Gegend eine Futterstelle und versorgt die dortigen Streunerkatzen. Seit 2018 ist sie Katzenmama und über ihre erste Katze Earl, die als Abgabe zu ihr kam, eine Perserkatze, wurde ihr schnell klar, welche Ausmaße das Thema Qualzucht für sie und die Katze bedeutet und so kam sie dazu Aufklärungsarbeit zu leisten. 2020 musste sie Earl wegen ihrer Vorerkrankungen leider gehen lassen, hat aber nun weitere Katzen aus dem Tierschutz adoptiert. Ganz viel MIEZLIEBE für Regenbogenmiez Earl in den Katzenhimmel!
Wir freuen uns riesig Denise als Expertin an unserer Seite zu haben und fühlen uns geehrt, dass sie ebenso ein Fan unseres STRAYZ Bio-Katzenfutters und STRAYZ Bio-Hundefutters ist. Hast du gewusst, dass du mit jeder Portion unseres Futters auch automatisch an ausgewählte Tierschutzvereine spendest? Dein Haustier füttern und gleichzeitig für den Tierschutz spenden! Win Win!