Wo unterstützt ihr Tiere in Not genau und warum ist die Hilfe dort so wichtig?
Street Cats Rescue ist in Conil de la Frontera, an der Costa de la Luz, an der Atlantikküste im Süden Spaniens. Conil ist/war ein kleines Fischerdorf, Einwohnerzahl 24.102 (2025), welches im Winter recht ruhig ist, wo sich allerdings im Sommer die Einwohnerzahl aufgrund der Touristen vervierfacht.
In Conil gibt es traditionell viele Streuner. Seit 2023 gibt es in Spanien ein neues Tierschutzgesetz mit einem extra Paragrafen nur für Katzenkolonien. Danach ist es die Verantwortung der Stadtverwaltung die Streuner zu kastrieren und Kolonien zu registrieren und zu versorgen. In den wenigsten Orten in Spanien geschieht dies, und in Conil ist die Situation nicht anders: die Kastrationen und Versorgungen müssen von Privatpersonen oder Organisationen wie Street Cats Rescue übernommen werden (finanziell and praktisch). In Conil ist Street Cats Rescue der einzige Verein, der sich dieser Aufgabe annimmt. Es gibt noch zwei weitere Tierschutzvereine, von denen einer sich auch um Katzenstreuner gekümmert hat, aber diese Arbeit aus Erschöpfung und finanziellen Gründen fast komplett eingestellt hat, und der andere, der erst letztes Jahr gegründet würde, und momentan mehr auf politischer Ebene, Lobbying, Aufklärung etc. tätig ist.
Die Einstellung in der lokalen Bevölkerung zu Streunern und Katzenkolonien war (und ist zu einem Teil leider immer noch) u.a. sehr von den folgenden (falschen) Vorstellung geprägt:
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die Menschen, die Katzenkolonien füttern, sind ‘Schuld’ an der ‘Katzenplage’
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Die Natur wird das mit der Bevölkerungskontrolle der Katzen schon regeln (was zum Teil auch leider stimmt, da hier fast täglich Streuner überfahren werden)
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Kastration ist Tierquälerei: “lass ihnen doch ihren Spaß” (Freiwillige werden oft beschimpft und wurden auch schon mit einer Anzeige bedroht, als sie kastrierte Katzen in eine Kolonie zurückgebracht haben – was jeder Grundlage entbehrt. Kastrationen von Streunern waren immer schon immer legal und seit 2023 sind sie sogar gesetzlich vorgeschrieben und eigentlich Verantwortung der Stadtverwaltungen. Hier in Conil kommt von der Stadtverwaltung allerdings sehr wenig Unterstützung, dazu unten mehr.)
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Mit den Kastrationen werden die Katzen ausgerottet.
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Streuner verschmutzen die Straßen und Orte, wo sie leben und verbreiten Krankheiten.
Vor diesem Hintergrund ist unsere Arbeit in den folgenden Bereichen so wichtig:
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Kastrationen von Streunern, um die Population zu kontrollieren
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Rettung und medizinische Versorgung von verletzten Streunern. Dazu gehören z.B. angefahrene Katzen, Katzen mit Bisswunden (die durch die Kastration stark reduziert werden, da die Kater danach nicht mehr so territorial sind und es weniger Kämpfe zwischen ihnen gibt) und in letzter Zeit sogar Katzen mit Schusswunden: in einer Kolonie wurden 5 Katzen angeschossen, zwei sind ihren Schusswunden erlegen, eine hatte einen Durchschuss und hat nach mehreren Wochen in der Klinik überlebt, einer hat ein Auge verloren, und bei einem weiteren haben wir das Geschoss unter der Haut gefühlt, werden aber nicht operieren, da es den Kleinen nicht stört. (Es kommt öfter vor, dass auf Katzen geschossen wird, mein 11 Jahre alter Kater hat auch ein Geschoss neben seiner Wirbelsäule, was ich nur durch Zufall herausgefunden habe, als ich ihn für einen Routinecheck aufgrund seines Alters zum Tierarzt gebracht habe, und ein Röntgenbild gemacht wurde. Auch ihn werde ich nicht operieren lassen).
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Fütterung der kastrierten Streuner, zum einen in unseren Kolonien (Beach Cats, Forest Cats und Garden Cats) und zum anderen in vielen weiteren Kolonien, um Privatpersonen zu unterstützen, die die Fütterung ansonsten aus eigener Kasse bezahlen müssen.
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Rettung von ausgesetzten Kitten (oft genug in praller Sonne, in einem Pappkarton, am Straßenrand oder in Mülltonnen), und Vorbereitung dieser Fellnasen für die Adoption. Wir sind in Conil die einzige Organisation, die diese Arbeit macht und es ist i.d.R. ein sehr langer und schwieriger Weg, da diese Kleinen häufig in einem schlechten Gesundheitszustand sind, und u.a. mit der Flasche gefüttert werden müssen.
- In einigen kontrollierten Kolonien wurden offizielle Schilder vom Rathaus aufgestellt (bzw. wir haben sie angebracht), die darüber aufklären, dass die Katzen kastriert und versorgt werden und was gesetzlich verboten ist (Katzen aussetzen, Katzen mitnehmen, Hunde frei rumlaufen lassen im Umkreis einer Kolonie etc. Als offizieller Kooperationspartner dürfen wir das Logo der Stadt auf unseren Schildern nutzen, was erstmal nicht so wichtig erscheint. Für uns bedeutet es aber, dass den Menschen klar wird, dass unsere Arbeit in den Kolonien nicht nur der Akt einer kleinen Gruppe von ‚crazy cat people‘ ist. Es gab einmalig 3000 Euro im Jahr 2025 vom Rathaus für die Kastration von Streunern, und das Projekt wurde von uns organisiert und in Zusammenarbeit mit dem Tierarzt durchgeführt.
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Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und v.a. Lobbying und Druck aufbauen, dass sie ihrer gesetzlichen Pflicht nachkommt und die o.g. Arbeit und v.a. die Kosten nicht auf Organisationen wie unserer und Privatpersonen abwälzt. Bisher haben wir in dem Bereich nur wenige Fortschritte machen können, aber immerhin gab es einige Verbesserungen:
Es gibt ein offizielles Register der Kolonien von Conil. Es ist ein Excel-spreadsheet, was von uns erstellt wurde und von uns weiterhin gepflegt wird. D.h. wenn wir Zeit haben oder wenn es viele Veränderungen gab, kontaktieren wir die anderen Koloniepfleger und erbitten ein Update, wie viele Katzen in ihrer Kolonie leben, wie viele davon kastriert sind und wie viele nicht. Insgesamt sind über 70 Kolonien in Conil registriert wobei dies bei Weitem nicht alle sind, sondern nur die, von denen wir wissen.
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Aufklärung der Bevölkerung (via Social Media) über
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die legale Verpflichtung sowie die Notwendigkeit, Haustiere zu kastrieren
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die Situation und Ursachen der Überbevölkerung, die nicht Schuld der Katzen ist, sondern durch das Nichtkastrieren von Haustieren und Aussetzen von nicht kastrierten Katzen verursacht wurde/wird
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die Arbeit der Freiwilligen, die oft genug beschimpft werden, dass sie an der Situation schuld sind.
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Was sind eure Ziele für die nächsten Jahre?
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Weitermachen wie bisher was die Kastrationen der Streuner (TNR) und die Versorgung der Kolonien angeht. Zu der Anzahl unseren Kastrationen können wir leider nur eine ungefähre Angabe machen. Personen, die Kolonien und Straßenkatzen versorgen, sind von uns autorisiert, beim Tierarzt selbst Termine für Kastrationen zu machen, die wir dann bezahlen. Dies sind Personen, die wir persönlich kennen und denen wir vertrauen, und ohne die diese Arbeit gar nicht machbar wäre, da wir ein zu kleiner Verein sind. Zeit, um eine genaue Statistik anzulegen haben wir leider nicht, da wir die wenige Zeit, die wir neben Arbeit und Familie haben, auf die tatsächliche Rettung, Kastration und Versorgung der Streuner verwenden. Die Kontrolle, dass die Freiwilligen, die sich bei TNR engagieren, wirklich nur Streuner von Kolonien aus Conil kastriert werden, erfolgt mit Hilfe der Mitarbeiter des Tierarztes: sie kennen unsere Freiwilligen und die Kolonien und werden von uns immer über die jeweiligen TNR-Projekte informiert.
Zudem organisieren wir für Privatpersonen, die in ihrer Nachbarschaft Strassenkatzen kastrieren möchten, einen Sonderpreis beim Tierarzt. Diese Personen zahlen dann selber, aber sie können die Kastration nur durchführen, da sie über uns einen Sonderpreis erhalten. Alle Streuner, die über diesen Tarif kastriert werden, erhalten den Schnitt im Ohr, an dem man dann erkennen kann, dass es kastrierte Streuner sind.
Pro Woche werden durch dieses Netzwerk im Schnitt 5-10 Kastrationstermine gemacht, worunter auch die ausgesetzten Kitten und zahmen Katzen fallen, die wir für die Adoption vorbereiten (ca. 100 pro Jahr). -
Fundraising für Kastrationen ist leider schwierig, es ist nicht so ein ‚sexy‘ (emotionales) Thema wie die Rettung von ausgesetzten Katzenbabies oder verletzten Streunern und man erhält recht wenige Spenden bei Spendenaufrufen für TNR. Dabei ist es in unseren Augen das WICHTIGSTE, was man tun kann, und was noch vor oder zumindest zeitgleich angegangen werden sollte, wenn man anfängt, Streuner zu füttern. Ein Streuner kann sich oft recht gut auf der Straße behaupten und versorgen, aber sobald eine Mama nicht nur sich selbst sondern 6 Kitten versorgen muss, sieht die Sache schon ganz anders aus.
- Den Druck auf die Stadtverwaltung erhöhen und weiter mit ihr zusammenzuarbeiten, damit sie endlich ihrer Verpflichtung nachkommt, die Kosten der Kastrationen und Versorgung der Kolonien zu übernehmen oder zumindest einen regelmäßigen verlässlichen Beitrag leistet. Wir allein können das mit den wenigen Leuten, die wir haben, nicht (mehr) leisten – wir stoßen oft genug an unsere emotionalen, psychischen und finanziellen Grenzen.
- Auf Social Media weiter aktiv sein: Aufklärung bzgl. der Kolonien und Kastrationen zu betreiben (s.o.). u.a. dass die Ursache der vielen Streuner v.a. daran liegt, dass Privatpersonen ihre Haustiere nicht kastrieren oder unkastrierte Katzen einfach aussetzen, und versuchen den Leuten klarzumachen, dass die Katzen an der Situation keine Schuld haben. Es sind die Menschen, die dieses Drama verschulden.
- Gegen das Aussetzen von schutzlosen Katzenbabies kämpfen, was leider jedes Jahr aufs Neue geschieht.
- Privatpersonen dazu zu bringen, ihre Haustiere zu kastrieren
- Unserer Beach Cats Colony ein Upgrade zu verschaffen: nach heftigen Regenfällen sind die Unterkünfte im Katzendorf sehr mitgenommen und wir planen, alles zu erneuern. Es ist ein etwas längerfristiges Projekt, das schrittweise durchgeführt wird. Siehe Fotos und Videos. Heute, 25/2/26, haben wir die ersten Schlafplätze abgerissen, da sie leider zu instabil waren und die Gefahr bestand, dass alles zusammenbricht.
- Soweit es uns möglich ist, Katzenbabies zu retten und in die Adoption zu geben, wobei wir die Arbeit in diesen Bereich schon seit Jahren reduzieren wollen. Nicht, weil es nicht wichtig ist, ganz im Gegenteil, aber wir können einfach nicht mehr. Wir stoßen permanent an unsere Grenzen und stehen oft vor dem psychischen (und manchmal auch finanziellen) Zusammenbruch.
Wie setzt ihr konkret nachhaltigen Tierschutz um?
Durch die Kastration, Fütterung und tierärztliche Versorgung v.a. der Koloniekatzen wird diesen ein sicheres und gesundes Leben auf der Straße ermöglicht. Viele Streuner sind nicht für die Adoption geeignet und sehr glücklich auf der Straße, was genau durch unsere Arbeit unterstützt wird. Mehrere unserer Koloniekatzen leben schon seit mehr als 8 Jahren auf der Straße, einige sogar mit FIV (Katzenaids). Dies alles ist möglich, da sie kastriert sind, regelmäßig gefüttert werden und bei Bedarf tierärztliche Behandlung erhalten. Pepe von unseren Forest Cats z.B. ist geschätzt mindestens 6 Jahre alt und hat Katzenaids. Im letzten Jahr hatte er ein so wundes Maul, dass er vor Schmerzen nicht mehr Fressen konnte. Er ist zahm, so dass wir ihn für 3 Monate in Pflege nehmen und täglich medikamentös behandeln konnten. Danach erhielt er noch weitere 4 Monate in der Kolonie 2-3 mal wöchentlich Medikamente und nun ist sein Mund komplett verheilt und er ist wieder der elte, freundliche orangene Kater. Allerdings wissen wir, dass diese Entzündungen, die typisch für FIV+ Katzen sind, jederzeit wieder auftreten können. Deshalb beobachten wir ihn genau und werden ihn bei den ersten Anzeichen, dass er wieder Probleme hat, erneut behandeln.
Dabei achten wir aber auch darauf, die Bedürfnisse und Sorgen der Anwohner nicht zu vernachlässigen. Eines unsere Projekte der letzten Monate war z.B. eine kleine Katzenkolonie von 8 Katzen erst zu kastrieren und dann langsam ihre Futterstelle einige hundert Meter von ihrem ursprünglichen zuhause zu verlegen. Der Grund: die Katzen lebten auf der Restaurantterrasse eines Hotels und wurden dort von einigen Gästen gefüttert, von anderen Gästen nicht so sehr gesehen. Verständlicherweise, denn sie sprangen teilweise auf die Tische, um sich Futter zu erbetteln. Mit Erlaubnis des Hoteldirektors haben wir am Ende der Saison die Katzen während des Abendessens eingefangen, eine wahre Slap-stick Situation: Urlauber sitzen beim Abendessen und wir springen mit Katzenfallen um die Tische herum, und versuchen, die Tiere einzufangen. Anders war es leider nicht möglich, denn sobald die Essenszeiten vorbei waren, versteckten sich die Katzen irgendwo auf dem Hotelgelände, und es war unmöglich, sie zu fangen. Vier Monate später haben wir nun eine kleine Futterstelle in einem Gebüsch ca. 300m von der Hotelterrasse aufgestellt und die Katzen daran gewöhnt, dort zu fressen. Sie haben weiterhin die Gartenanlage des Hotels als ihr zuhause,und um sich zu verstecken, werden aber von nun an hoffentlich die Hotelgäste in Ruhe ihre Mahlzeiten genießen lassen – solange die Gäste nicht anfangen, den Katzen wieder was zu fressen zu geben.
Wie helfen unsere Spenden euch ganz konkret?
Die Spenden von STRAYZ erlauben uns, unsere Ausgaben für all unsere Arbeit besser zu planen, und abzuschätzen, was wir monatlich leisten können, da wir wissen, dass regelmäßig Geld kommt. So können wir besser absehen, wie viele Kastrationen wir pro Monat durchführen können, ob wir Geld haben, einem verletzten Streuner zu helfen, und dass wir weiterhin unsere Kolonien füttern können.
Eure Message an Tierfans!
Habt nicht zwangsläufig mit Streunern Mitleid. Viele dieser Fellnasen sind sehr glücklich auf der Straße und könnten gar nicht mehr in einem Haus mit Menschen leben. Um diesen Katzen ein gutes und langes Leben zu ermöglichen, muss man sie ‚nur‘ kastrieren, füttern, vielleicht Schlafplätze zur Verfügung stellen (bei unseren Forest Cats haben wir das versucht, aber die haben die Unterkünfte verschmäht; sie liegen lieber im Gebüsch, und kommen hervorgesprungen, sobald ‚meals on wheels‘ - d.h. die Freiwillige mit dem täglichen Futter – kommt) und wenn notwendig einfangen und zum Tierarzt bringen.
Wenn ihr im Urlaub seid, und ihr eure Unterkunft mit einer oder mehreren Katzen teilt, weil diese einfach schon vor euch da waren, schaut, ob ihr eine lokale Tierschutzorganisation findet, über die ihr die Katzen kastrieren lassen könnt. Damit helft ihr ihnen mehr, als mit füttern. Wir erleben es jedes Jahr am Ende des Sommers, dass überall zahme Katzen auftauchen, die den Sommer über von Touristen gefüttert wurden, und dadurch nicht gut gelernt haben, sich allein zu versorgen. Und wenn diese Katzen dann noch Junge kriegen, wird die Situation dramatisch für sie. Wir spannen häufig Touristen in unsere TNR-Projekte ein: nicht selten helfen tierliebende Urlauber, Katzen zu fangen, zum Tierarzt zu bringen, und die Kastrationen zu bezahlen. Und wer weiß, vielleicht findet ihr ja auch ein neues Familienmitglied. Wir helfen z.B. auch gerne dabei, wenn jemand einen zahmen, offensichtlich ausgesetzten Streuner adoptieren möchte. So haben es Katzen aus Conil schon nach Zürich und Stockholm geschafft und leben dort glücklich und zufrieden.


